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Kapelle Haus St. Elisabeth



Wie kann man dem spirituellen Suchen des Menschen heute (einen) Raum geben? Und wie soll der Raum gestaltet sein, der nicht nur diese individuelle Suche sondern auch eine gemeinschaftliche Praxis des Gebets, des Gotteslobes, der Feier der Eucharistie ermöglicht?

Wer die von Alois Landmann aus Merdingen neu gestaltete Kapelle mit der Erwartung einer äußerlich reich ausgestatteten Kirche betritt, wird zunächst enttäuscht sein. Keine Bilder im herkömmlichen Sinn, weder Heiligenstatuen noch Kreuzwegbilder verführen den Betrachter, bei Vorgegebenem stehen zu bleiben. Altar und Ambo aus grob bearbeitetem dunklem Granit bieten sich unübersehbar an „als Bilder“, deren „Sinn-Bildlichkeit“ zur Deutung herausfordern.

Fügt man diese beiden „Christusbilder“ Altar und Ambo, nährendes Brot und nahrhaftes Wort, zusammen, kann man leicht das in den Stein gehauene T-Zeichen erkennen. Es ist das das TAW (griechisch TAU), der letzte Buchstaben des hebräischen Alphabets. Übersetzt bedeutet es „Zeichen“. So wird es zum „Christuszeichen“, das uns von Gott zum Leben geschenkt ist, das Lieblingszeichen des Heiligen Franz von Assisi.


Altar und Ambo beschreiben mit dem historischen Kruzifix auf der Mittelachse und den Hinzutretenden (Einzelnen oder einer ganzen Gemeinde) eine offene Mitte, die zum Zentrum des Geschehens werden kann: Zur Begegnung mit „dem ganz Anderen“ und zur Begegnung mit sich selbst und mit Jesus Christus, dem Brot und dem Wort des Lebens.

Mit den klassischen Materialien Stein, Holz und Glas schafft Alois Landmann durch Einfachheit und Klarheit der Formen eine große Transparenz und Leichtigkeit. Das Lichtspiel der Glassegel oder der durch eine große Fensteröffnung zugelassene Blick nach außen in die Natur erhalten die Verbindung zwischen Innen und Außen. Sie geben – ohne abzulenken – dem Geschehen im Raum eine anregende Lebendigkeit. Der Tabernakel, ein großer Glaskubus, gibt zwar durch seine zurückhaltende Transparenz den Blick auf das Gefäß mit dem „Heiligen Brot“ nicht ganz frei, lässt aber das Geheimnis erahnen, das er in sich birgt.


Eine einfache Bestuhlung lädt den Besucher / die Besucherin ein, den „eigenen“ Platz in der Kapelle zu suchen und einzunehmen – vielleicht auch in dem kleinen Andachts­raum, der durch den Wegfall der Sakristei entstanden ist. Wie in einer Höhle kann sich hierher zurückziehen, wer für einige Augenblicke mit sich allein sein will, ohne den Kontakt zum großen Kirchenraum zu verlieren, mit dem man über den offenen Zugang und den Tabernakel verbunden bleibt.

Diese Kapelle lädt in ihrer reduzierten und schlichten Gestaltung dazu ein, durch eigene Bilder einen Raum für sich zu gestalten für das Gespräch und die Begegnung mit sich selbst, mit andern Suchenden, Fragenden, Betenden … und mit „dem ganz Anderen“.

Peter Stengele