Impulse zum Advent

Mit Beginn des neuen Kirchenjahres wollen wir unser Chorwand-Mosaik mit besonderer Aufmerksamkeit beleuchten. Nächstes Jahr feiert diese 80 m² umfassende Darstellung den 60. Geburtstag. Seit 60 Jahren lassen sich viele Menschen von dieser Darstellung ansprechen und begleiten.

In diesem Kirchenjahr wollen wir ganz unterschiedliche Bild-Ausschnitte betrachten. Vielleicht kann sich manch einem von uns, das Bild wieder anders und neu erschließen?

An den vier Adventssonntagen lassen wir uns von der Frauengestalt im Chrom-Mosaik durch den Advent begleiten.

Anstelle der Predigt werden Schwestern Impulse zu den unterschiedlichen Bildabschnitten vortragen, die in Bezug zu den Schrifttexten des jeweiligen Adventsonntages stehen.

Wir haben die Adventszeit überschrieben mit einem Wort aus dem Matthäusevangelium (11,3)
„Bist du es, der da kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?“

 

Was erwartet Sie?
Am 1. Adventssonntag wollen wir uns ansprechen lassen vom dunklen und hellen Kreis, von der Bewegung und den Schritten der Frau.
Am 2. Advent betrachten wir die Hand, die auf die Flamme, das Licht hinweist.
Am 3. Advent schauen wir auf den Blick und das Gesicht der Frau.
Am 4. Advent nehmen wir die ganze Gestalt der Frau, ihre Haltung und die Farben in den Blick.

 

Zu diesen Impulsen sind alle Interessierten herzlich in die Klosterkirche eingeladen, ebenso zur meditativen Adventsvesper, jeweils an den Freitagen im Advent 17.45 Uhr.

1. Advent

Betrachten wir den Kreis: dunkel und hell, Schatten und Licht, Tag und Nacht, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.

Füllen wir in Gedanken die dunkle Seite des Kreises mit all dem, was unser Leben dunkel macht, was uns herunterzieht, was uns blind macht. 
-- Stille --
Füllen wir in Gedanken die helle Seite des Kreises mit all dem, was unser Leben hell macht, was uns unbeschwert sein lässt.
-- Stille –

Für den Propheten Jesaja bedeutet den dunklen Kreis verlassen und in die helle Seite treten:
Wenn Völker Frieden schließen. Wenn aus Lanzen und Schwertern Winzermesser und Pflugscharen werden.
„Wenn das geschieht, dann gehen wir im Licht des Herrn“.

Mit dem Apostel Paulus gesprochen könnte dieser Kreis bedeuten: Vom Schlaf aufstehen! Wir versäumen etwas, wenn wir liegen bleiben.
„Die Nacht ist vorgerückt, der Tag ist nahe. Darum lasst uns ablegen die Werke der Finsternis und anlegen die Waffen des Lichts“.

Die Frau verharrt nicht reglos im Dunkeln. Etwas lockt sie, etwas treibt sie an, sich aufzumachen. Sie kommt in Bewegung, verlässt die dunkle Kreisseite und schreitet dem Licht entgegen.
„Kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn!“

Die Gedanken zum heutigen Bildausschnitt und zu den Schrifttexten spiegelt ein Hymnus, den viele von uns kennen:  
Nacht und Gewölk und Finsternis, verworrenes Chaos dieser Welt, entweicht und flieht!
Das Licht erscheint, der Tag erhebt sich: Christus naht.
Jäh reißt der Erde Dunkel auf, durchstoßen von der Sonne Strahl,
der Farben Fülle kehrt zurück im hellen Glanz des Taggestirns.
So soll, was in uns dunkel ist, was schwer uns auf dem Herzen liegt,
aufbrechen unter deinem Licht und dir sich öffnen, Herr und Gott.

Dieser Impuls ist von Sr. Regina Maria Uhl.

 

2. Advent

Wir sehen in unserem Altarmosaik die Gestalt einer Frau. Im biblischen Kontext erinnert  sie uns an  eine der „klugen Jungfrauen“ im Evangelium nach Matthäus 25,1–13. Sie ruft uns zu: Seid wachsam, seid bereit, wenn der Herr kommt, damit ihr sein Anklopfen hört. 
In der Betrachtung des 2. Adventsonntags schenken wir unsere Aufmerksamkeit der linken, leeren Hand.

Drei  Botschaften gibt mir die offene Hand mit auf den Weg.

1. Die leichte Neigung der leeren Hand zur Hand, die das Licht trägt, ermahnt mich: 
Sei wachsam, sei ganz im Heute. Meister Eckart fasst diese Botschaft in folgende Worte:
Gott, du sagst: Ich warte auf dich vor der Tür deines Herzens. Du brauchst mich weder hier noch dort zu suchen. Ich bin nicht ferner als vor der Tür deines Herzens. Da stehe ich und warte, und harre und warte. 

2. Die zweite Botschaft: Diese Hand ist offen und leer: sie hält weder Weisungen noch Gebote, weder Materielles noch Machtsymbole, sie setzt sich einfach aus. Diese Hand ist bereit zu empfangen, sie muss nichts abwehren, aussortieren, geradebiegen, sie kann sich überlassen, sie kann zulassen, was sich von innen her langsam entwickeln und zeigen will. Diese offene Hand bewirkt in mir Ruhe und Gelassenheit.
Die Hand ist frei: sie will nichts krampfhaft festhalten, nichts um jeden Preis durchsetzen, nichts gewaltsam erzwingen, sie zeigt die Geste der Einladung, sie spricht sanft und leise „Komm“. Es ist ein Sehnsuchtswort in meinem Herzen, Gott zugesprochen, ebenso  Menschen, die auf Suchwegen sind und nicht mehr weiter wissen.

3. Die dritte Deutung ist mein Glaube an die immer offene Hand Gottes in Jesus Christus: Im Ps. 63 beten wir z.B. „Deine rechte Hand hält mich fest…“

Ich spüre große Dankbarkeit, dass ich an die offene Hand Gottes glauben kann, die mich trägt und hält, die mich führt und loslässt, in der ich mich geborgen weiß, die mich spüren lässt:
„Fürchte dich nicht, ich bin mit dir, ich liebe dich“.

(Sr. Edith Senn)