Einladung zur Fastenzeit - „Es ist vollbracht“ Joh19,30

Aschermittwoch

Unsere Provinz feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Unser Gründer, Pater Theodosius Florentini, sagte, dass er Schwestern braucht, die das Kreuz verstehen. Das Kreuz zu verstehen ist keine Einladung, bei der wir zu schnell „Ich nehme teil“ anklicken - wie bei Facebook.

Und doch laden wir ein, ausgehend von den letzten Worten am Kreuz:
„Es ist vollbracht“ Joh19,31 oder in einer anderen Bibelübersetzung: „Jetzt ist alles vollendet“. (Die gute Nachricht)
Für mich ist das etwas Großartiges, denn ich erlebe die befreiende Botschaft Jesu in einem Moment, in dem das Ende des Lebens bevorsteht.
Für Jesus ist es der Anfang eines neues und anderen Lebens, das tiefer und weiter geht.
D.h. auch, dass mit dem Tod Jesu am Kreuz die Grenze, das Ende aufgehoben ist und hineingehoben wird in neue, andere Möglichkeiten.
Dieser Botschaft möchte ich gerne zustimmen und mich auf den Weg machen, neu zu sehen, anders zu sehen.

Wir haben über unsere Theodosius Akademie, deren feierliche Eröffnung wir feierten geschrieben: Einfach anders.

Ich glaube daran, dass alles zusammenpasst: Wenn ich weiter und tiefer schaue im Alltag, dann wird ein schlichter und anderer Weg aufgezeigt werden, der mich weiterbringt, der mich ins Leben bringt.
Auf diesem Hintergrund möchte ich jede Woche eine Befindlichkeit des Alltages aufgreifen und dieser eine einfache und andere Sichtweise im Blick auf das Kreuz und den Gekreuzigten schenken.

Danach lade ich zu einer Übung für die Woche ein, die helfen kann, die „innere Ausfahrt“ immer wieder freizuhalten.

  1. Woche: „Mir reicht´s!“
  2. Woche: „Ich bin fertig!“
  3. Woche: „Ich habe genug!“
  4. Woche: „Ich kann nicht mehr!“
  5. Woche: „Ich stehe mit dem Rücken an der Wand!“
  6. Woche: „Es ist vollbracht!“

Ihre Schwester Maria Magdalena

1. Woche: „Mir reicht´s!“

 „Ich brauche nicht mehr!“
„Ich bin zufrieden, wie es ist und zufrieden mit dem, was ich habe!“
„Es ist ausreichend
!“

Wir verbinden mit der Aussage vermutlich eher einen ÄRGER.

„Ich mach da nicht mehr mit!“
„Das Maß ist voll!“
„Ohne mich!“
„Wie oft schon hab ich gesagt, dass….?“
„Schon wieder!“

Ich möchte anders sehen und vertrauen, dass Gott zu mir sagt:

„Mir reicht`s – FÜR DICH!“

Wenn wir den Psalm 23 zur Hand nehmen, dann hören wir, dass Gott uns „reichlich den Becher füllt“.
Das heißt auch, dass wir im Blick auf Gott das rechte Maß im Alltag finden, dass wir spüren, dass wir an eine Kraftquelle angeschlossen sind, die MEHR hergibt, auch dann, wenn`s mir reicht!

Übung:           Diese Woche kann ich schauen, was mich stärkt, aber auch, was mir fehlt und wo ich zu kurz komme. Und ich sorge gut für mich und schenke mir etwas MEHR von dem, was mich stärkt.

2. Woche: "Ich bin fertig!"

„Super, alles geschafft.“
"Die Zeit hat ausgereicht, es ist gut geworden.“
„ich bin vorangekommen!“

Und doch verbinden wir die Aussage eher mit  ERSCHÖPFUNG.

„Mit mir ist nicht mehr zu rechnen.“
„Lasst mich ja in Ruhe.“
„Mit dir will ich nichts mehr zu tun haben.“
„Aus der Nummer bin ich raus!“
„Ich bin derart überfordert!“

Ich möchte anders sehen und vertrauen, dass Gott zu mir sagt:

„Ich bin fertig – FÜR DICH!“

Wenn ich auf Jesus am Kreuz schaue, wenn ich auf sein Leben schaue, dann sehe ich, dass ER nie fertig ist, weder mit einem Menschen, noch mit seiner Liebe überhaupt.
Damit nimmt er die Täuschung von mir, nur wert zu sein, wenn ich funktioniere und immer in der Vollkraft und guter Laune da bin.
Diese Täuschung streicht er durch! „FERTIG!“
Wenn das Kreuz ein Zeichen der Erlösung ist, dann weiß ich, dass da einer ist, der mich aufrichtet und mir neuen Mut schenkt.

Übung:           Diese Woche anerkenne ich, dass ich nie fertig werde und nie fertig bin. Ich schaue in die Natur und spüre den steten Wandel von Brachzeit - Blüte - Vergehen.Ich gönne es mir, etwas liegen zu lassen und nach draußen zu gehen, nur für mich.

3. Woche: "Ich habe genug!"

„Also, ich bin zufrieden, danke!“
„Ich hungere nicht und mir mangelt es nicht.“
„ Es bleibt sogar ab und an noch etwas übrig!“
 

Und doch verbinden wir die Aussage eher mit  ENTTÄUSCHUNG.

„Was soll ich denn noch alles machen?“
„Siehst du nicht, wie viel ich tue?“
„Rechnet nicht mehr mit mir!“

Ich möchte anders sehen und vertrauen, dass Gott zu mir sagt:

„Ich habe genug – FÜR DICH!“

Wenn ich auf Jesus schaue, dann erfahre ich, dass da einer ist, der tiefer schaut, der mich sieht.
Jesus hat auch genug und ER gibt mir davon, denn IHM geht es nie nur um einen Teil, sondern um alles, um die Fülle.
Erst dann habe ich ein Gefühl, was es bedeutet, im Herzen wirklich genug zu haben und genügend zu sein.

Übung:          Diese Woche kann ich die Menschen wahrnehmen in meinem Leben, die mich annehmen, wie ich bin, die Interesse daran haben, wie ich mich entwickle, die auch meine Unvollkommenheit kennen und mich trotzdem lieben. Dafür kann ich danken!

4. Woche: „Ich kann nicht mehr!“

„Meinen Teil habe ich eingebracht!“
„Ich kenne meine Fähigkeiten und kann mich abgrenzen!“
„Ich anerkenne meine Rolle!“
„Ich kann auch abgeben!“

Und doch verbinden wir die Aussage eher mit  FRUSTRATION:
„ Keinen Millimeter mehr:“
„ Was soll ich denn noch alles tun und denken?“
„Sollen doch die anderen mal, die machen viel weniger.“
„Wer soll es denn machen, wenn nicht ich?“

Ich möchte anders sehen und vertrauen, dass Gott zu mir sagt:

„Ich kann mehr – FÜR DICH!“

In der Bibel steht im LK-Evangelium die Emmausgeschichte. Jesus geht mit den Jüngern, die mutlos sind, die müde und unverständig sind und sicher auch frustriert: „Wir hatten gehofft….“
Jesus geht mit ihnen, ohne dass er sich als der Herr bemerkbar macht, 60 Stadien und noch mehr... und die Herzen der Jünger beginnen zu brennen. Die ganze Bibel ist voller Erzählungen, dass Jesus, dass Gott mehr möglich ist und mehr tut, als ich es mir ausdenken kann.

Wenn mein Gefühl ist, dass ich nicht mehr kann, dann kann ER noch immer und noch viel mehr.

Übung:           Diese Woche lasse ich am Abend den Tag vorbeiziehen und schaue mein „Werk“ an, ohne es zu bewerten. Ich versuche, mir selber zu sagen, „es war gut!“

5. Woche: „Ich stehe mit dem Rücken an der Wand!“

„Ich stehe mit dem Rücken an der Wand!“
„Ich habe guten Rückhalt!“
„Es gibt Sicherheit!“
„Ich erfahre Halt!“
„Ich kann mich anlehnen!“

Und doch verbinden wir die Aussage eher mit „AUSGELIEFERT SEIN – ANGST!“

„Es gibt keine Lösung!“
„Ich bin am Ende!“
„Ich verliere die Kontrolle!“

Ich möchte anders sehen und vertrauen, dass Gott zu mir sagt:

„Ich stehe mit dem Rücken an der Wand – FÜR DICH!“

Alleine diese neue Sicht schenkt mir ein Bild:
Wenn Gott an der Wand steht, dann steht er hinter mir. Ich kann mich an ihn anlehnen und weiß, dass ER mich auch wieder auf den Weg bringen kann, handlungsfähig und trittfest. Das heißt auch, dass Gott einen Weg für mich hat, auch dann wenn ich diesen nicht sehe oder meine Logik diesen nicht verstehen kann.

Übung:   Diese Woche nehme ich das Bild mit in meinen Alltag, dass Gott hinter mir steht, mich stützt und einen Plan für mich hat. Vielleicht lehneich mich mal bewusst an eine Wand, einen Baum, auch an einen Menschen und nehme wahr.

6. Woche: „Es ist vollbracht!“

„Es ist vollbracht!“

Mit dieser Woche gehen wir auf Ostern zu und haben vermutlich insgesamt das Gefühl:

„Zum Glück!“
„Fasten vorbei!“
„Frühling!“
„Ein gutes Lebensgefühl!“
„Halleluja!“

Mit dieser Woche erleben wir durch die kirchlichen Feiertage, in welcher Dynamik der Durchbruch in ein MEHR an Leben, Freiheit …. geschieht.

Es geht nicht einfach so!
Jesus hat dafür alles gegeben, hat sich selber gegeben am Kreuz, um FÜR MICH, alles zu geben, um dem Ende ein Ende zu bereiten.
Schmerz, Ohnmacht, Trauer, Wut, Grenze sind die Tore in eine neue Lebenshaltung auf Gott hin.

Nicht ich –
Gott-
Gott wird es vollbringen!

Übung:   Ich darf mir immer wieder eine Zeit nehmen und mein Leben anschauen. Ich darf die Durchbrüche sehen, die unverhofften Lösungen und daraus Vertrauen in die Zukunft schöpfen. Ein Blumenstrauß zu Ostern kann meiner Zuversicht einen Ausdruck geben.