IMPULS ZUM 4. FASTENSONNTAG: DER KREUZESBAUM

„Am Ende der Suche und Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung“, so die Worte der deutschen Theologin Dorothee Sölle.

Mit wesentlichen Fragen sucht Nikodemus in der Nacht Jesus auf – vielleicht in seiner eigenen inneren Nacht. Er hat Jesus erlebt und seine Botschaft vom Heil gehört. Nikodemus beschäftigt es, was das ewige Heil, das ewige Leben bedeuten. Wenn Jesus im heutigen Evangelium auf ihn eingeht, nimmt er ihn mit und eröffnet ihm „das Mehr, das Anders und Tiefer“ als menschliche Vorstellungen es fassen können. Das war auch für Nikodemus so, und später erfahren wir an anderer Stelle im Johannesevangelium, dass er sich innerlich ergreifen lassen konnte von Jesus.
Am Ende der Suche und Frage nach Gott steht die Umarmung. Jesus nimmt uns alle mit in die Lebensbewegung Gottes. Bereits im Alten Testament werden uns Heilszeichen der Rettung geschenkt – so die erhöhte eherne Schlange in der Wüste. Heil, Rettung, Erlösung sind Geschenke, nicht aus menschlicher Kraft machbar, nein: Gnade! Der Blick auf die vom Herrn erhöhte Schlange schenkt Leben, Heilung, Rettung aus Sünde und Tod. Der Blick auf den erhöhten Herrn am Kreuz verdichtet das Lebensangebot Gottes.

Der Kreuzesbaum im mittleren Fensterbild ist Zentrum und Verbindung aller anderer Fensterbilder des Alten und Neuen Testamentes. Unsere Aufmerksamkeit geht zunächst auf das Wurzelwerk des Kreuzesbaumes. Der Grund ist Gott selbst. Gott sagt „JA“ zur Welt und geht in seinem geliebten Sohn bis in den tiefsten irdischen Grund.

Seine Antwort auf alle gestellten Fragen sind seine ausgebreiteten Arme, im Bild die nach oben gerichteten Kreuzesbaumzweige; Arme, die den Menschen an sich ziehen und in Berührung bringen mit dem ewigen Heil der Liebe.

Der neue Bund im Bild des Kelches, den wir in jeder Eucharistiefeier „zu seinem Gedächtnis“ erheben, aus dem wir das Blut Christi trinken, schenkt uns Gemeinschaft mit dem Geheimnis Gottes.

Jesus hat sich für uns hingegeben. Seine Wunden, die wir im Fensterbild als kleine rote Scheiben sehen, laden ein, hindurchzuschauen und im Herzen ankommen zu lassen, dass all unser Leid, aller Schmerz, alle Dunkelheit und alle Schuld von Jesus durchlitten wurden.

Wir dürfen uns nun selbst entscheiden, wohin unser Blick und unsere Ausrichtung gehen, wo wir uns festmachen in unserer persönlichen Sehnsucht nach Heil, Leben und Erfüllung. Das Lebensangebot Gottes im gekreuzigten und erhöhten Herrn steht, der Kreuzesbaum sprießt und schenkt uns gnadenhaft eine neue Beziehung zum Vater, zu Jesus, zu uns selbst, zum Nächsten zum Leben.

Denn: „Am Ende der Suche und Frage nach Gott steht keine Antwort, sondern eine Umarmung.“

Sr. Maria Magdalena Schlageter

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