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Unterwegs zu mir selbst

Im Kloster Hegne am Bodensee werden Pilgerausbildungen angeboten. Pilgern boomt seit Jahren und holt Menschen ab, die bereit sind, aufzubrechen. Sr. Dorothea Maria Oehler ist ausgebildete Pilgerbegleiterin und hat hilfreiche Tipps.

1. Für wen ist Pilgern das Richtige?

Das Leben ist wie das Pilgern. Die Menschen sind als pilgerndes Volk unterwegs, niemand ist ausgeschlossen.
Das ist ja das Schöne am Pilgern, auch, dass es nicht ans Alter gebunden ist!

Ältere PilgerInnen gehen dann vielleicht nur einen Teil der Strecke.
Besonders geeignet ist das Pilgern für Naturmenschen, die die Verbindung zur Schöpfung stark spüren, die gerne unterwegs sind, die aufbrechen und auch an einem Ziel ankommen wollen, die Sehnsucht nach Weite und letztlich auch Tiefe empfinden. Insofern bietet sich Pilgern auch für jene an, die sich in lebensverändernden Situationen befinden, die entweder in Trauer sind oder vor einer beruflichen Veränderung stehen. Spirituell unterwegs zu sein, sich selbst zu erfahren, öffnet die Sinne und lässt einen intensiver in sich selbst hineinhören.

2. Wie bereite ich mich auf eine Pilgerreise vor?

Wichtig ist es, die eigenen Grenzen im Blick zu haben. Wenn es ein Pilgerangebot ist, das 20 km pro Tag veranschlagt, dann muss ich wissen, ob ich körperlich fit genug bin, und im Zweifel vorher schon ein bisschen trainieren.
Sr. Dorothea Maria rät dazu, mit dem Tagespilgern anzufangen. Im Kloster Hegne werden Tagesprogramme zu bestimmten Themen angeboten, z. B. Vollmondpilgern. Bei der inneren Vorbereitung geht es vor allem darum, zuüberlegen, welches innere Gepäck man mitträgt. Was ist meine Motivation? Manche sagen, sie wollen zu sich selber finden, eine Erfahrung machen mit sich und Gott, mit Menschen. Andere bereiten sich über das äußere Gepäck vor:
Was nehme ich mit, was brauche ich wirklich? Das lässt sich auch auf das Leben übertragen: Was ist wirklich notwendig?
Auch sollte man sich die Frage stellen, ob man bewusst allein aufbricht oder mit jemandem gemeinsam geht.

3. Ist Pilgern nachhaltig?

Pilgern ist mit dem Ankommen noch lange nicht vorbei, sondern wirkt nach. Der Weg macht etwas mit den PilgerInnen, bewegt – äußerlich und innerlich. Und er kann dabei helfen, Entscheidungen zu treffen. Was bewegt mich im Hören auf Gott, auf mich selber, wie geht man den Weg
weiter? Das tut der Seele einfach gut. Nachhaltig sind auch Erfahrungen, die ich mache, etwa, mit wenig auszu kommen, Hilfe zu erhalten und annehmen zu können, Gastfreund schaft zu erleben.
Und ich lerne, Grenzen zu überschreiten, weiterzugehen, wenn es auch einmal unbequem sein sollte.

Sr. Dorothea Maria Oehler (*1958) lernte1982 über das Pilgern die Kreuzschwestern kennen und entschied sich daraufhin, in den Orden einzutreten. Sie ist Geistliche und Exerzitienbegleiterin. Als ausgebildete Pilgerbegleiterin gibt sie ihre Begeisterung an andere PilgerInnen weiter. Seit 2022 bildet sie auch selbst PilgerbegleiterInnen aus.

Der folgende Beitrag erschien ursprünglich im „Magazin der Kreuzschwestern“, Ausgabe 1/2026. Wir freuen uns, den Beitrag mit freundlicher Genehmigung der Kreuzschwestern Provinz Europa Mitte auch auf unserer Website veröffentlichen zu dürfen.

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