„Die Berge schenken Weite“ – Schwester Jacinta über ihre schönste Urlaubszeit in Tirol
Sommerzeit ist Reisezeit, und das gilt auch für unsere Schwestern. In unserer neuen Serie „Summer Break – Unsere Schwestern erzählen von ihrem Sommerurlaub“ nehmen sie uns mit an Orte, die ihnen besonders am Herzen liegen. Schwester Jacinta führt uns dieses Mal nach Tirol, in eine Bergwelt, die sie über viele Jahre hinweg immer wieder aufs Neue begeistert hat.
Schon zu Beginn des Gesprächs wird deutlich, wie tief diese Erinnerungen bis heute in ihr verankert sind. Vor ihr liegen zahlreiche alte Fotos. Mit einem Lächeln nimmt sie Bild für Bild in die Hand. Sofort werden Erinnerungen wach. Sie erzählt von den Schwestern, mit denen sie Jahr für Jahr ihren Urlaub verbrachte, erinnert sich an Weggefährtinnen, die nur einmal dabei waren, und berichtet von gemeinsamen Wanderungen und vielen kleinen Erlebnissen, die diese Zeit so besonders machten.
Ein Foto zeigt den Besuch eines Salzbergwerks. Schmunzelnd erzählt Schwester Jacinta, wie sie sich alle zunächst in die typische Schutzkleidung kleiden mussten, bevor es tief hinein in den Berg ging. Auch dieser Ausflug gehört zu den Erinnerungen, die sie bis heute mit Freude erzählt.
Beim Betrachten der Fotos wird deutlich: Manche Erinnerungen verblassen nie. Sie schenken Freude, lassen Dankbarkeit wachsen und wecken die Sehnsucht, Gottes Schöpfung draußen in der Natur immer wieder neu zu entdecken. Es scheint fast so, als nehme Schwester Jacinta uns mit auf ihre Reise – hinein in die beeindruckende Bergwelt Tirols, zu den gemeinsamen Wanderungen und den vielen kleinen Momenten, die bis heute in ihrem Herzen geblieben sind.

Unterwegs zwischen Almen und Gipfeln
Über viele Jahre verbrachte Schwester Jacinta ihren Sommerurlaub in Leutasch in Tirol, unweit von Seefeld. Von dort aus brach sie gemeinsam mit anderen Schwestern zu ausgedehnten Wanderungen auf. Mal ging es mit der Seilbahn hinauf in die Berge, mal führte der Weg direkt zu Fuß über Almen, durch Wälder oder entlang weiter Bergpfade. Drei bis vier Stunden und zehn bis zwölf Kilometer waren sie unterwegs, immer umgeben von einer beeindruckenden Bergkulisse.
Nicht jede Tour führte bis zum Gipfel. Manche Wege waren anspruchsvoll und verlangten Ausdauer. Doch genau das machte für Schwester Jacinta den Reiz aus. Schritt für Schritt die Landschaft zu entdecken und die Natur mit allen Sinnen zu erleben.
„Man konnte sich einfach ganz in die Gegend hineinfinden – mit den Bergen ringsherum. Es war einfach voller Freude.“
Oft begann der Tag schon früh am Morgen. Noch bevor die Sommersonne ihre ganze Kraft entfaltete, machten sich die Schwestern gemeinsam auf den Weg. Manche Wanderungen starteten direkt am Ferienhaus, andere begannen nach einer kurzen Fahrt mit der Seilbahn oder dem Auto. So konnten sie immer wieder neue Wandergebiete entdecken und die vielfältige Landschaft Tirols erleben.
Urlaub bedeutet Gemeinschaft
So beeindruckend die Landschaft war, mindestens genauso wichtig war die Gemeinschaft. Im Ferienhaus trafen sich Schwestern aus Hegne, Feldkirch und Oberösterreich. Gemeinsam wurde gewandert, gelacht, gegessen und der Tag in gemütlicher Runde beendet.
Nach den Wanderungen saßen die Schwestern oft noch im Garten zusammen. Sie erzählten sich gegenseitig, lachten und blickten auf den gemeinsamen Tag zurück. Schwester Edelfrida, die das Haus leitete, sorgte mit viel Herzlichkeit für das Wohl aller. Schwester Jacinta erinnert sich besonders gerne daran, wie Schwester Edelfrida immer wieder frischen Obstsalat oder andere Köstlichkeiten zubereitete und so für eine besondere Wohlfühlatmosphäre sorgte. Auch die österreichische Küche gehört für Schwester Jacinta untrennbar zu diesen Urlauben. Knödel in den verschiedensten Variationen, Kaiserschmarrn und regionale Spezialitäten standen regelmäßig auf dem Speiseplan. Ein besonderes Highlight war jedoch die frische Milch vom benachbarten Bauernhof. Direkt neben dem Ferienhaus befand sich ein Milchautomat. Nach einer langen Wanderung gönnten sich die Schwestern dort gerne einen Becher frische Milch – fast direkt von der Kuh.
Schmunzelnd erinnert sich Schwester Jacinta auch an die Kühe auf den Almwiesen. „Die Tiroler Kühe sind so freundlich“, sagt sie lachend. Besonders ihre ruhige Art und ihr helles Fell sind ihr bis heute in Erinnerung geblieben.
Ein Barfußweg, der zum Lebensweg wurde
Von allen Erinnerungen bewegt Schwester Jacinta eine bis heute besonders.
Bei einer Wanderung entdeckte sie einen Barfußpfad. Der Weg führte zunächst über weiches Moos, später über Steine und Tannenzapfen und schließlich durch klares, kühles Wasser. Was zunächst wie ein Naturerlebnis begann, wurde für sie zu einer tiefen Erfahrung.
„Die Stille hat mich so mitgerissen.“
Mit jedem Schritt nahm sie den Untergrund bewusster wahr. Manche Steine waren unangenehm, andere Wege weich und angenehm. Das klare Wasser am Ende empfand sie als wohltuend und befreiend.
Für Schwester Jacinta wurde dieser Weg zu einem Sinnbild des Lebens.
„Die Steine gehören auch zum Leben. Nicht alles verläuft immer angenehm. Und dann kam das klare Wasser – das Erlösende.“
Am Ende des Barfußpfads standen Bänke, auf denen sie noch eine Weile verweilte, um die Eindrücke nachklingen zu lassen. Diese Erfahrung begleitet sie bis heute – nicht nur als schöne Urlaubserinnerung, sondern auch als Bild dafür, dass schwierige Wegabschnitte ebenso zum Leben gehören wie Momente der Erleichterung und des Friedens.
„Die Berge schenken Weite“
Auf die Frage, was die Berge für sie bedeuten, antwortet Schwester Jacinta ohne zu zögern:
„Sie schenken Weite. Man sieht nicht alles so eng.“
Gerade diese Weite half ihr, Abstand vom Alltag zu gewinnen, Kraft zu tanken und den Blick wieder auf das Wesentliche zu richten. Die majestätischen Gipfel erinnerten sie daran, wie groß Gottes Schöpfung ist und wie wohltuend es ist, sich ihr anzuvertrauen.
Auch heute schaut sie sich die alten Urlaubsfotos immer wieder gerne an. Das Ferienhaus in Leutasch wurde inzwischen verkauft, doch die Erinnerungen sind geblieben. Mit jedem Bild kehren die gemeinsamen Wanderungen, die Begegnungen mit den Mitschwestern und die beeindruckende Bergwelt für einen Moment zurück.
Vielleicht ist genau das das Schönste an solchen Erinnerungen. Sie verlieren auch nach vielen Jahren nichts von ihrer Kraft. Sie schenken Freude, lassen Dankbarkeit wachsen und erinnern daran, wie wertvoll gemeinsame Zeit ist.

