Normalerweise treffen sich die Verantwortlichen der internationalen Kongregation alle zwei Jahre in Ingenbohl in der Schweiz. Für den Provinzoberinnenkongress 2026 in Hegne gab es jedoch einen besonderen Wunsch: Die Schwestern wollten den Ort kennenlernen, an dem die selige Sr. Ulrika Nisch gelebt und gewirkt hatte.
Die Generalleitung griff diesen Wunsch auf. So wurde Hegne für einige Tage zum Treffpunkt der internationalen Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz.
52 Teilnehmende aus der internationalen Kongregation
Insgesamt nahmen 52 Personen am Provinzoberinnenkongress in Hegne teil, darunter 39 Schwestern aus den Provinzen und Vikariaten. Es waren Gemeinschaften aus Europa und Indien sowie die Vikariate in Brasilien, Uganda und Taiwan und das Haus USA vertreten.
Die internationale Zusammensetzung brachte unterschiedliche Sprachen, Kulturen und Erfahrungen zusammen. Deutsch und Englisch sind die Kongregationssprachen. Übersetzungen ermöglichten den Austausch über Sprach- und Ländergrenzen hinweg.
Ein wichtiger Bestandteil des Treffens waren die Berichte aus den einzelnen Provinzen und Vikariaten. Sie gaben Einblick in die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten der Kreuzschwestern weltweit: Wo stehen die Gemeinschaften heute? Welche Aufgaben nehmen sie wahr? Welche Entwicklungen beschäftigen sie und vor welchen Herausforderungen stehen sie?




Die Kongregation an der Schwelle
Der Provinzoberinnenkongress stand unter dem Leitgedanken „Wir schreiben das Generalkapitel fort – Die Kongregation an der Schwelle“.
Die Kongregation befindet sich in einem Wandel, der insbesondere in Europa deutlich spürbar ist. Die Zahl der Schwestern nimmt ab, Strukturen verändern sich und Verantwortung wird zunehmend gemeinsam mit anderen Menschen getragen.
Damit verbunden sind zentrale Zukunftsfragen: Wie kann das Charisma der Kreuzschwestern weiterleben? Wie könnte die Kongregation im Jahr 2040 aussehen? Welche Strukturen wird sie künftig benötigen? Und wie können Schwestern, Laien und Assoziierte gemeinsam den Auftrag der Gemeinschaft weitertragen? In Hegne ging es deshalb darum, gemeinsam neue Wege zu entwickeln und die internationale Kongregation noch stärker miteinander zu vernetzen. Die Provinzoberinnen kommen mindestens alle zwei Jahre persönlich zusammen. Aufgrund der großen Entfernungen wird der persönliche Austausch inzwischen durch regelmäßige digitale Treffen ergänzt. Auch neue Kommunikationsformen sowie der Umgang mit Social Media und Künstlicher Intelligenz waren Themen des internationalen Austauschs.
Auf dem Weg zum Generalkapitel 2028 in Rom
Ein zentraler Schwerpunkt des Provinzoberinnenkongresses 2026 war die Vorbereitung auf das Generalkapitel 2028 in Rom.
Dieses ist das oberste richtungsweisende Gremium der internationalen Kongregation. Vertreterinnen der verschiedenen Provinzen beraten dort über die weitere Ausrichtung der Gemeinschaft und wählen unter anderem die Generalleitung.
Da sich die Zahl und die Strukturen der Gemeinschaften verändern, werden auch bestehende Verfahren weiterentwickelt. In Hegne wurde deshalb unter anderem darüber beraten, wie Delegierte künftig bestimmt und Schwestern für Leitungsaufgaben nominiert werden können.
Erste Schritte wurden vereinbart. Die weitere Vorbereitung auf das Generalkapitel wird nun in der Generalleitung und in den einzelnen Provinzen fortgesetzt.




Charisma als gemeinsame Grundlage
Bei allen Fragen zu Strukturen und Zukunft stand das gemeinsame Charisma der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz im Mittelpunkt.
Geistliche Impulse, Zeiten der Stille sowie Gespräche in kleinen Gruppen und im Plenum begleiteten die Beratungen. Dabei ging es unter anderem um ein Leben aus der Mitte Gottes, Solidarität mit Menschen in Not und die Bereitschaft, auf die Bedürfnisse der jeweiligen Zeit zu antworten.
Auch die Wurzeln der Gemeinschaft begleiteten die Schwestern durch die Tage. Mutter Maria Theresia Scherer, Pater Theodosius Florentini und die selige Sr. Ulrika Nisch wurden dabei immer wieder zu Bezugspunkten für die Frage, welche Bedeutung ihre Haltung und ihr Wirken für die Herausforderungen der Gegenwart haben.
Ein eigens für den Kongress verfasster fiktiver Brief griff beispielsweise die Frage auf: „Was würde Mutter Maria Theresia den Schwestern heute mit auf den Weg geben?” Einzelne Abschnitte daraus dienten während der Kongresstage als Impulse für den gemeinsamen Austausch.
Auf den Spuren der Seligen Sr. Ulrika Nisch
Die besondere Verbindung zur seligen Sr. Ulrika Nisch war einer der Gründe dafür, den internationalen Kongress im Jahr 2026 in Hegne auszurichten.
An einem freien Sonntag besuchten 28 Schwestern die oberschwäbische Heimat von Sr. Ulrika und machten unter anderem Station in Unterstadion und Mittelbiberach. Für viele der internationalen Teilnehmerinnen bot sich damit die Gelegenheit, Orte aus dem Leben der Seligen persönlich kennenzulernen.



Internationale Begegnung beim Gemeindefest in Hegne
Der Provinzoberinnenkongress sollte auch für die Menschen vor Ort erlebbar sein. Eine besondere Gelegenheit dazu bot das Internationale Gemeindefest im Kloster Hegne am 29. August.
Provinzoberin Sr. Susanne Bader, Generaloberin Sr. Marie-Marthe Schönenberger aus Ingenbohl und Allensbachs Bürgermeister Stefan Friedrich hießen die internationalen Gäste sowie Bürgerinnen und Bürger aus Hegne, Allensbach und der Umgebung willkommen.
Bei Musik, Bewirtung und persönlichen Gesprächen kamen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Kulturen miteinander in Kontakt. Aus dem ungezwungenen Austausch entwickelte sich ein lebendiges Fest, bei dem schließlich auch gemeinsam getanzt wurde.
Der Provinzoberinnenkongress war bereits am 26. August mit einem feierlichen Gottesdienst in der Klosterkirche Hegne eröffnet worden.
Auch für die Hegner Schwestern hatte das internationale Treffen eine besondere Bedeutung. Nicht alle hatten während ihres Ordenslebens die Möglichkeit, selbst an einem internationalen Treffen der Kongregation teilzunehmen. Nun konnten sie die weltweite Gemeinschaft der Kreuzschwestern in Hegne unmittelbar erleben.
Über Länder- und Provinzgrenzen hinweg verbunden
„Dieser Kongress hat mir die Vielfalt und Zusammengehörigkeit unserer Kongregation einmal mehr bewusst gemacht und spüren lassen, dass wir miteinander viel bewegen können“, fasste Sr. Susanne Bader die Tage zusammen.
Gerade angesichts der Veränderungen innerhalb der Kongregation wurde deutlich, wie wichtig eine engere Zusammenarbeit über Länder- und Provinzgrenzen hinweg ist. Die einzelnen Provinzen sehen sich mit unterschiedlichen Herausforderungen konfrontiert, doch durch ihre gemeinsamen Wurzeln und ihren Auftrag sind sie miteinander verbunden.
Der Provinzoberinnenkongress 2026 in Hegne machte diese Internationalität unmittelbar erlebbar und setzte zugleich wichtige Impulse für den gemeinsamen Weg zum Generalkapitel 2028.

Fotografen: Ulrike Martin, Sr. Rahela Lackovic und Franz Josef Wagner
