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Ist der Weg das Ziel?

Pilgernde Erdengäste

Von Sr. Dorothea Maria Oehler

Franziskus schreibt in seinem Testament, dass wir „Pilgernde auf Erden“ sind. „Pilger und Fremdlinge“ (nach 1 Petr 2,11) sein – das Thema ist in vielen Kulturen beheimatet. Das Pilgern im eigentlichen Sinne hängt eng mit dem innerlichen Pilgersein zusammen.

Beim Pilgern kommt dem Weg eine wichtige Bedeutung zu. Die Redewendung „der Weg ist das Ziel“ begegnet mir immer wieder in Gesprächen, regt zum Nachdenken an und ist in ihrer Bedeutung vielschichtig.

In diesem Jahr steht die Hegner Ausbildung von Pilgerbegleiter*innen unter dem Motto „Wer aufbricht, kommt ans Ziel!“. Zwanzig Frauen und Männer haben sich aus unterschiedlichen Beweggründen auf den Weg gemacht, sind aufgebrochen, um sich vielfältige Kompetenzen in sechs Modulen zu erwerben. Mit einer Sehnsucht, unterwegs als Pilger*in die persönlichen positiven Wegerfahrungen auf unterschiedlichen Pilgerwegen an andere weiterzugeben, pilgernde Menschen zu begleiten.

In der Bibel, besonders in der Apostelgeschichte, werden die ersten Christen „Anhänger des Weges“ oder „Menschen des neuen Weges“ genannt. Jesus Christus bezeichnet sich selbst als „den Weg, die Wahrheit und das Leben“ (Joh 14,6). Seine Jünger*innen, alle die ihm folgen, lassen Vergangenes zurück und gehen einen neuen Weg (vgl. Apg 9,2; 19,9; 22,4).  

Letztlich ist das Ziel für den Weg entscheidend. Wenn Jesus sagt: „Ich bin der Weg!“, dann heißt es für mich, mit ihm zu gehen. Er ist an meiner Seite, vor mir, hinter mir, neben mir und in mir. Jesus zeigt uns den Weg zum Vater, dem Ziel der Pilgerschaft. Ein wunderbares Bild für das Pilgern! Aufbrechen, aufstehen, mutig den ersten Schritt wagen, das Ziel vor Augen haben.

Der Weg verändert mich, ich komme anders an. Was gibt mir dabei Orientierung?

Der Weg verändert mich, ich komme anders, verändert an. Fragen bewegen mich: Was ist meine Motivation und mein Ziel? Was und wer gibt mir Orientierung? Ich finde zu mir selbst, zum göttlichen Geheimnis, nehme mich als Teil der Schöpfung wahr. Ich lasse mich gehen. Der Weg: weg von dem vielen, was ablenkt und mich gefangen hält.

Ich frage mich: Was ist lebensfördernd und dient dem Leben? Beim Pilgern bin ich mit leichtem Gepäck unterwegs, da ist „weniger oft mehr!“, um in Gottes Gegenwart zu sein und zu erfahren: „In ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (vgl. Apg17,28), hier und jetzt!

Suchend und fragend, offen und bereit; sich bewegen und sich bewegen lassen, gehen und gehen lassen, aufbrechen und ankommen, finden und gefunden werden, aufatmen und meiner Seele Raum geben.

Der Weg verändert mich, ich komme anders an. Was gibt mir dabei Orientierung?

Unterwegs mit Sehnsucht im Herzen

Beim Pilgern sind wir mit einem Fernziel unterwegs: Ein Wallfahrtsort, z.B.  das Grab des heiligen Jakob in Santiago de Compostela, zu unserer seligen Schwester Ulrika Nisch von Hegne oder die Wirkungsstätten des heiligen Franz von Assisi. Unterwegs finden wir Kraft- und Zufluchtsorte wie Kapellen, Wegkreuze oder Herbergen.

Der Weg und das Ziel können beim Pilgern auch das Tagesprogramm sein. Wir sind auf dem Weg bei jedem Wetter, nehmen Strapazen auf uns und lernen, mit körperlichen und seelischen Herausforderungen umzugehen. Am Ende des Tages kommen wir dann an in einer einfachen Unterkunft, erfahren Gastfreundschaft, sind dankbar und zufrieden, erschöpft – und am Ende oder am Ziel?

Der Pilgerweg, eines Lebensweges: mit einer Sehnsucht im Herzen täglich unterwegs sein, um am Ziel, letztlich bei Gott, in seinem Licht und seiner Liebe geborgen zu sein.

Zur Autorin

Sr. Dorothea Maria Oehler (*1958) ist dipl. Pädagogin, Exerzitien- und Geistliche Begleiterin, Pilgerbegleiterin und LEA-Figuren-Kursleiterin. Die Franziskanerin lebt im Kloster Hegne (DE). Hier wirkt sie als Koordinatorin im Bereich „Pilgern“.

Tauzeit – die Zeitschrift der INFAG CH & Tauteam (Hs.) | Ausgabe 108/ 28. Jahrgang / März 2026

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